Ein Pott voll Gicht und Koks


EINSTIEG INS UNGEWISSE, DUISBURG
FOTO: WILLI NOTHERS


BACKSIDE FLIP, 14.13 UHR, SINTERWERK DUISBURG
FOTO: WILLI NOTHERS
Dass der Ruhrpott, der ehemalige Industriemotor der Republik war, ist mir klar. Dass ich hier aber Orte finden würde, die man für einen Endzeit Science-Fiction Film als Kulisse hernehmen kann, war mir nicht klar. Als ich also im Geiste der Urban Explorer, die sowas als Hobby betreiben, über den Absperrzaun kletterte, eröffnete sich mir ein unheimlicher und geisterhafter Ort: Das Sinterwerk.

Knarzende Böden, wimmernder Wind und quietschende Rostgebilde waren nur ein einige der Horror-Effekte, die mir hier den Tag versüßten, so dass ich nur schnell wieder weg wollte. Um meine Fotos zu schießen, musste aber erst einmal der Staub vergangener Jahrzehnte zusammen gekehrt werden. Was gar nicht so leicht war, denn der feine Staub war praktisch überall. Früher zündete man hier auf einem Sinterband Feinerze unter Beimischung von Gichtstaub und Koks an. Daraus enstanden dann große Brocken, die dann im Hochofen verheizt wurden. Mit den Resten der Stauborgie hatten meine Kugellager zu kämpfen. Ich dagegen kämpfte mit mir selbst.

Denn wie man auf dem Foto unschwer erkennen kann, ging es zwischen den Plattformen gut 10 Meter tief in den Keller. Der Sprung über den Abgrund der deutschen Wirtschaftswunderjahre gelang glücklicherweise ohne “Zwischenfall”.

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